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Stipendiat 2025: Jonte Ramsten

Von Musik und Theater zu Möbeltischlerei, Furnier und Intarsienarbeit. Jonte Ramstens Gesellenstück Black Box ist ein dunkler Kubus, der sich zu einer ganzen Welt aus visuellem Erzählen, Bühnenraum und hoch verfeinertem Handwerk öffnet. Es ist ein Werk, in dem die Kreativität im Mittelpunkt steht – und bei dem scharfe Werkzeuge unverzichtbar waren.

Eine Black Box voller Möglichkeiten

Jonte Ramsten studierte Möbeltischlerei an der Malmstens, Linköping University. Bevor er begann, mit Möbeln zu arbeiten, war er viele Jahre als Schauspieler und Musiker tätig – Erfahrungen, die auch in seiner Einstellung zum Handwerk sichtbar werden. Auch wenn Möbeltischlerei auf Material, Präzision und Funktion beruht, ist der künstlerische Ausdruck in Jontes Arbeit deutlich sichtbar. In Zukunft hofft er, seine früheren Berufe mit neuen Projekten in Marquetry und Intarsienarbeit verbinden zu können.

Diese Kombination zwischen verschiedenen Disziplinen ist in seinem Werk Black Box deutlich sichtbar. Sie ist ein Schrank, aber auch eine Bühne, eine Geschichte und ein Kunstwerk. Geschlossen erscheint sie als dunkler Kubus aus Räuchereiche. Geöffnet entfaltet sie sich zu einem etwa 1,5 Meter breiten Bildraum in Marquetry, inspiriert von alten Altartafeln. Der Schrank wurde von Jonte gemeinsam mit Odd Åsberg entworfen, während das Intarsienmotiv von Linnea Nilsson-Lundell gezeichnet und von Jonte Ramsten gefertigt wurde.

Der Name stammt aus dem Theater. Eine Black Box ist ein schwarz gestrichener Aufführungsraum, in dem die Grenze zwischen Publikum und Bühne oft flexibel ist und in dem nahezu jede Welt entstehen kann. Jonte überträgt diese Idee auf Holz: Ein einzelnes Brett kann zu einem Stuhl, einem Tisch, einem Schneidebrett, einem Schrank oder zu etwas ganz anderem werden. Alles hängt von Kreativität, handwerklichem Können und davon ab, was in der Begegnung zwischen Hand, Werkzeug und Material geschieht.

Wenn die Funktion der Kunst Raum gibt

Bei Möbeln sprechen wir oft über Funktion, Nutzen und praktische Lösungen. Mit Black Box wollte Jonte den Fokus verschieben. Die Funktion ist nicht abwesend, aber sie gibt der Kunst, der Verspieltheit und dem Erzählen Raum.

Der Schrank ist in mehreren Ebenen aufgebaut. Zunächst begegnet dem Betrachter der geschlossene schwarze Kubus. Wenn die Türen geöffnet werden, erscheint ein großes Marquetry-Kunstwerk. Wird die mittlere Klapptür geöffnet, zeigt sich das Innere des Schranks, mit einem Interieur, das an eine erhöhte Theaterbühne mit gewölbter Rückwand erinnert. Auf der Rückseite befindet sich das, was das Publikum normalerweise nicht sieht: der Backstage-Bereich, in dem Konstruktion, Lamellen, ein versteckter Schlüssel und Gegengewichte aus Messing Teil der Geschichte werden.

Die Details sind ebenso sorgfältig durchdacht wie das Gesamtkonzept. Der Schlüssel ist als zwei Theatermasken gestaltet – eine Seite fröhlich, die andere traurig. Auf der kleinen Bühne steht eine Skulptur, ein magnetischer Stein auf einem kleinen Podest. Gemeinsam machen diese Elemente das Werk zu mehr als einem Schrank. Es wird zu einem Miniaturtheater aus Holz.

Schärfe in jedem Arbeitsschritt

Ein großer Teil von Black Box besteht aus Furnier und Marquetry. Bei dieser Art von Arbeit sind die Toleranzen klein.

"Ein bedeutender Teil des Schranks ist ein großes Kunstwerk in Marquetry. Obwohl ich die Marquetry mit einer Dekupiersäge gesägt habe, waren scharfe Werkzeuge bei der Arbeit mit dem Furnier entscheidend."

Wenn dünne Furnierstücke geschnitten, eingepasst und ohne störende Fugen zusammengefügt werden sollen, ist Präzision wichtig. Ein stumpfes Messer reißt, drückt und franst aus. Eine scharfe Schneide gibt Kontrolle. Für Jonte war Schärfe deshalb nicht nur ein hilfreiches Werkzeug – sie war eine Voraussetzung für das Gelingen seines Werks.

"Während der gesamten Arbeit waren scharfe Werkzeuge entscheidend, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen."

Black Box entstand als Gesellenstück und wurde für sein außergewöhnliches handwerkliches Niveau gewürdigt. Jontes Arbeit erhielt die höchstmögliche Bewertung in der Gesellenprüfung: 5,0.

Die nächste Bühne: Mumin und Tormeks Kunsthandwerksausstellung

Als wir Jonte trafen, nahm sein nächstes Projekt bereits Gestalt an: ein Schrank, inspiriert von Tove Janssons The Book about Moomin, Mymble and Little My. Es war sowohl ein persönlicher als auch ein ehrenvoller Auftrag, verwurzelt in einer Geschichte, die ihn seit seiner Kindheit begleitet hatte und nun zu einer neuen Möglichkeit wurde, Marquetry als erzählendes Handwerk zu erforschen.

Der Schrank überträgt Janssons ausdrucksstarke Bildwelt durch sorgfältig komponierte Marquetry aus natürlichen und gefärbten Furnieren in Holz. Jedes Detail ist aus Holz aufgebaut, von den Figuren und Landschaften bis zu den kleinsten visuellen Akzenten. Wie bei Black Box hat Jonte den Schrank als mehr als ein funktionales Objekt behandelt: Er ist ein Stück, das sich zu einer Geschichte öffnet. Auch der Schlüssel wurde mit Sorgfalt ausgewählt und angepasst – ein klassischer finnischer Abloy-Schlüssel.

Im Sommer 2026 ist Jonte außerdem einer der ausstellenden Kunsthandwerker in Tormeks Kunstausstellung Behind the Edge, wo Besucher die Möglichkeit haben, Black Box mit eigenen Augen zu sehen. Bei einem Werk, bei dem es um Entdeckung, Bewegung und verborgene Details geht, verleiht das unmittelbare Erleben aus der Nähe eine zusätzliche Dimension.

Du kannst Jonte und seinen kommenden Projekte auf Instagram folgen: @jontehantverk Externes Link, wird in neuem Fenster geöffnet.

Die Motivation der Jury

Auf den ersten Blick weckt der geheimnisvolle Schrank Black Box sofort die Neugier des Betrachters. Es liegt etwas zutiefst Faszinierendes in Möbeln, die Schätze verbergen und mehr in sich tragen, als das Auge zunächst erkennt. Black Box ist genau ein solches Werk – hinter seiner schwarzen Außenseite öffnet es sich mit mechanischem Einfallsreichtum und entfaltet sich prachtvoll vor dem Betrachter. In dieser Schöpfung hat Jonte Ramsten mit scharfem Verstand, scharfen Werkzeugen, einem außergewöhnlichen Blick für Details sowie großer Kreativität und Erfindungsgabe ein Möbelstück geschaffen, das sich im wahrsten Sinne des Wortes zu einer ganzen Aufführung entfaltet.

Henrik Björkman

Jury-Mitglied für das Tormek-Stipendium