Stipendiat 2024: Kara Ghasemiani
Vom Ingenieur zum Möbelmacher. Kara Ghasemianis Weg ins Handwerk ist geprägt von Neugier, Präzision und der Liebe zum Holz. Seine preisgekrönte Infinity Bench spiegelt sowohl technisches Können als auch poetisches Design wider.

Vom Fahrzeugingenieur zum Holzhandwerk
Kara Ghasemiani hat einen langen Weg in die Welt des Möbelbaus zurückgelegt. Geboren in Göteborg und ausgebildet als Maschinenbauingenieur mit einem Master in Fahrzeugtechnik, arbeitete er fünf Jahre in der Branche, bevor er eher zufällig das Holzhandwerk entdeckte. Was mit dem Bau von Lampen begann, entwickelte sich zu einer tiefen Leidenschaft, die ihn schließlich zum dreijährigen Möbelbauprogramm der Capellagården auf der Insel Öland führte.
"Vor Capellagården hatte ich noch nie mit Handwerkzeugen gearbeitet. Jetzt sind der Umgang mit ihnen und das richtige Schärfen für mich selbstverständlich geworden", sagt Kara.





Die Infinity Bench
Karas mit dem Stipendium ausgezeichnetes Werk, Oändlig Sidobänk (The Infinity Bench), besteht aus Ulme mit Details aus Walnuss und ist in seiner Form vom mathematischen Unendlichkeitssymbol inspiriert. Es entstand vollständig nach seinem eigenen Entwurf während seines ersten Jahres an der Capellagården.
"Es war das erste Mal, dass ich etwas komplett nach meiner eigenen Skizze geschaffen habe. Ich war mit meinen Aufgaben früh fertig und nutzte die letzten Wochen, um mich auf Schwalbenschwanzverbindungen zu konzentrieren."
Insgesamt nahm die Bank 80 Stunden Arbeit in Anspruch – davon entfielen allein 32 Stunden auf von Hand geschnittene Schwalbenschwanzverbindungen. Kara dokumentierte jeden Arbeitsschritt in einer Tabelle, was seinen systematischen, im Ingenieurwesen verwurzelten Ansatz unterstreicht.
Schärfen als Grundlage
Die Arbeit mit harter Ulme bedeutete, dass Kara seine Stemmeisen immer wieder nachschärfen musste.
"Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich zur Tormek zurückgegangen bin. Sie war eine enorme Zeitersparnis. Ich konnte schnell schärfen, auf dem Japanstein polieren und direkt weiterarbeiten."
Heute richtet Kara seine eigene Werkstatt im Göteborger Stadtteil Ringön ein und nimmt seine Tormek mit. Nicht nur für die Holzbearbeitung, sondern auch für seine Küchenmesser, fügt er mit einem Lächeln hinzu.


Organische Kanten, strukturiertes Denken
Karas Designsprache verbindet oft Gegensätze: rohe, organische Kanten mit klaren, strukturierten Linien. Besonders gerne arbeitet er mit Live-Edge-Holz-Brettern, die noch die natürlichen Konturen des Baumes in sich tragen, aus dem sie stammen.
"Das ist eine Möglichkeit, ein Stück Wald ins Zuhause zu bringen", erklärt er.
Diese Liebe zur Natur steht Seite an Seite mit Karas ingenieurmäßigem Denken. Jedes Projekt geht er methodisch sorgfältig an, häufig dokumentiert in Tabellen, und zunehmend ergänzt durch integrierte Technik – etwa kabelloses Laden für Smartphones oder eingebaute Beleuchtung.
"Ich mag es, traditionelles Handwerk mit moderner Funktionalität zu verbinden", sagt er. "Dort trifft Struktur auf Seele."
Blick nach vorn
Kara arbeitet derzeit in Teilzeit in einer Tischlerei, während er gleichzeitig sein eigenes Portfolio und seine Werkstatt weiterentwickelt.
"Mein Traum ist es, von meinen eigenen Möbeln leben zu können und eine kleine Werkstatt neben meinem Zuhause zu haben. Einen Ort, an dem ich frei und nachhaltig gestalten kann."
Du kannst Karas Arbeit auf Instagram unter @kgmobel Externes Link, wird in neuem Fenster geöffnet. verfolgen oder seine Website besuchen Externes Link, wird in neuem Fenster geöffnet..


Die Motivation der Jury
Kara Ghasemiani hat ein Design gefunden, das Begehrlichkeit weckt. Ein Möbelstück, das ebenso gut in eine Stadtwohnung wie in ein Haus auf dem Land passen würde. Das Werk zeigt eine ausgezeichnete Oberflächenbearbeitung, hohe Präzision und Details, die erkennen lassen, dass bei seiner Entstehung wirklich scharfe Werkzeuge verwendet wurden.
Henrik Björkman
Jury-Mitglied für das Tormek-Stipendium